4.3 Covestro

Covestro betreibt große Innovationszentren in Leverkusen (Deutschland), Pittsburgh (USA) und Shanghai (China). Mit der starken globalen Präsenz will das Unternehmen speziell regionalen Markttrends und Kundenwünschen Rechnung tragen.

Essenziell ist dabei auch die Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Einrichtungen sowie Start-up-Unternehmen und Ausgründungen im akademischen Bereich. Die Schwerpunkte liegen in Deutschland, den USA, China und Japan. In Deutschland zählt etwa die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH), Aachen zu den Partnern, in China besteht eine enge Kooperation mit der Tongji-Universität, und in den USA unterstützt Covestro die Forschungsaktivitäten einer Reihe renommierter Hochschulen.

Forschung und Entwicklung sind für Covestro ein Kernelement der Unternehmensstrategie, um die eigene Position im Wettbewerb zu halten und auszubauen. Dabei arbeitet das Unternehmen kontinuierlich an Neuerungen und Verbesserungen sowohl bei Produkten als auch bei Herstellungs-, Verarbeitungs- und Geschäftsprozessen. Durch gezielte Steuerung wird sichergestellt, dass die laufenden Vorhaben und die Projektpipeline den aktuellen und künftigen Bedürfnissen der Abnehmerindustrien und letztlich der Endverbrauchermärkte entsprechen.

Thematisch liegt der Fokus auf höherwertigen Anwendungen, der Steigerung von Funktionalitäten, Flexibilität im Design, kostensparenden Produktionsprozessen und Nachhaltigkeit, wobei sich das Unternehmen auch um Alternativen zu petrochemischen Rohstoffen bemüht.

In der Business Unit Polyurethanes (PUR) geht es unter anderem darum, neue Technologien wie mikrozellulare Schäume voranzutreiben, die zur noch effizienteren Dämmung von Gebäuden und Kühlketten dienen. Außerdem wird daran gearbeitet, den Flammschutz der Materialien zu erhöhen. Ein weiteres aktuelles Thema sind leichtgewichtige Verbundwerkstoffe. Hierzu zählen Anwendungen in der Automobilindustrie, die zu Gewichtseinsparungen bei höherer Produktivität und verbessertem Komfort beitragen.

Auf dem Gebiet der Prozessentwicklung treibt die Business Unit die Nutzung von Kohlendioxid als neuer Kohlenstoffquelle voran, um die Abhängigkeit von petrochemischen Rohstoffen zu verringern. 2016 will PUR erstmals eine neuartige Form der Polyurethan-Komponente Polyol auf CO2-Basis im Markt einführen.

Die Business Unit Polycarbonates (PCS) beschäftigt sich vor allem mit der Entwicklung von Produkten für die Automobil- sowie Elektro- und Elektronikindustrie. Dabei wird auf Gewichtsverringerung, verbesserte Energieeffizienz und Sicherheit sowie höhere Designfreiheit abgezielt.

Zur Nachhaltigkeit bei Fahrzeugen und in anderen Anwendungen tragen unter anderem Leuchtdioden bei. Diese verbrauchen weniger Energie und halten länger als traditionelle Leuchtmittel. PCS hat spezielle Materialien zur Lenkung, Streuung und Reflexion von LED-Licht sowie der Ableitung der entstehenden Abwärme entwickelt. Des Weiteren arbeitet die Business Unit an der Fortentwicklung von faserverstärkten Verbundwerkstoffen auf Basis von Polycarbonat. Vor allem bei hochwertigen IT-Produkten und Automobilkomponenten können diese die Leistungsfähigkeit erhöhen.

Die Business Unit Coatings, Adhesives, Specialties (CAS) ist aktiv in der Entwicklung von weitgehend Polyurethan-basierten Rohstoffen für hochwertige Lacke, Farben, Kleb- und Dichtstoffe sowie Spezialprodukte. Dabei wird unter anderem darauf abgezielt, neue Anwendungsmöglichkeiten und Märkte für die Kernprodukte zu erschließen. Außerdem treibt CAS – ebenfalls stets mit Blick auf die Bedürfnisse der Märkte – neue Prozesstechnologien voran, beispielsweise Verfahren zur Nutzung nachwachsender Rohstoffe.

So hat die Business Unit im April 2015 einen neuartigen Härter für Polyurethan-Lacke und -Klebstoffe vorgestellt, der zu 70 % aus Biomasse gewonnen wird, die nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion steht. Außerdem wurde ein thermolatenter Härter für Automobillacke entwickelt, der sich bei deutlich geringeren Temperaturen als Standardprodukte auftragen lässt, was den Energieverbrauch senkt und die Produktionszeiten beschleunigt. Für Textilien und Kunstleder bietet CAS darüber hinaus eine neue Generation Polyurethan-Dispersionen an, die ebenfalls Ressourcen schonen und komplett ohne organische Lösungsmittel auskommen.