8.2 CropScience

Produktsicherheit im Zentrum

Bevor Pflanzenschutzmittel und -technologien auf den Markt gebracht werden können, müssen sie den Nachweis erbringen, dass sie unbedenklich für Mensch und Tier und ohne unvertretbare Belastungen für die Umwelt angewandt werden können. Dafür benötigen sie eine amtliche Zulassung, die von zahlreichen internationalen und nationalen Gesetzen und Bestimmungen geregelt wird. Die Anforderungen für die Zulassung, insbesondere im Umweltbereich, sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen mit dem Ziel, die Produktsicherheit zu erhöhen und potenzielle Risiken zu minimieren. CropScience erfüllt alle regulatorischen Anforderungen der Länder, in denen unsere Produkte zum Schutz der Kulturpflanzen vertrieben werden.

Produktsicherheit und Umweltverträglichkeit von Pflanzenschutzmitteln und -technologien spielen bei der Entwicklung eine zentrale Rolle. CropScience überprüft während der Entwicklungsphase die Produkte gemäß strengen und behördlich vorgeschriebenen Tests. Dabei geht es zum einen um die Wirkungsweise sowie die umwelttoxikologischen und toxikologischen Eigenschaften eines Produktes, zum anderen aber auch um die Frage, wie viele Rückstände von Pflanzenschutzmitteln nach fachgerechter Anwendung auf den Pflanzen oder in der Umwelt verbleiben. Jeder neue Pflanzenschutzwirkstoff und jede neue Technologie muss diese Versuche und Prüfungen über mehrere Jahre durchlaufen, um sicherzustellen, dass der Wirkstoff bzw. die Technologie in seiner Anwendung wirksam und im Einsatz unbedenklich für Mensch, Tier und Umwelt ist.

Rund 10 Jahre dauert es, bis ein Pflanzenschutzmittel oder eine -technologie die Entwicklung mit allen Versuchen sowie Prüfungen durchlaufen hat und auf den Markt kommt. Damit endet unsere Produktverantwortung allerdings nicht. CropScience folgt vielmehr dem Internationalen Verhaltenskodex der Welternährungsorganisation (FAO) zu Vertrieb und Anwendung von Pflanzenschutzmitteln und -technologien. Dessen Grundsätze decken den gesamten Lebenszyklus eines Produkts oder einer Technologie – von der Entwicklung bis zur Anwendung und darüber hinaus ab. Wir setzen alle wesentlichen Aspekte unserer verantwortungsvollen Produkthandhabung in unserem „Product Stewardship“-Programm um, das den Grundsätzen unserer „Product Stewardship Policy“ folgt.

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CropScience engagiert sich auch über das Kerngeschäft hinaus gezielt in Projekten für mehr Produktverantwortung, wie der „Better Sugarcane Initiative“, die sich für den nachhaltigen Zuckerrohranbau einsetzt, und dem „International Sustainability & Carbon Certification“-Verein zur Etablierung eines Systems zur Zertifizierung von Biomasse und Bioenergie. Darüber hinaus nehmen wir an den Runden Tischen zur nachhaltigen Palmöl-Herstellung und zum nachhaltigen Soja-Anbau (RTRS) teil. Mit RTRS haben wir 2015 einen Vertrag zur Unterstützung der Zertifizierung der Sojaproduktion in Brasilien abgeschlossen. In den USA wurde das e3-Nachhaltigkeitsprogramm für Baumwollbauern eingeführt, um diese bei der Produktion stark nachgefragter nachhaltig hergestellter Baumwolle zu unterstützen. Landwirte, die sich dem Programm anschließen, verpflichten sich dazu, dass der Anbau ihrer Baumwolle zurückverfolgbar, umweltverträglich, wirtschaftlich tragfähig und sozial gerecht ist.

Verantwortung für Kunden und Partner

Bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln ist größtmögliche Sorgfalt notwendig. Daher ist die Unterstützung unserer Kunden und Partner im fachgerechten und sicheren Umgang mit unseren Saatgut- und Pflanzenschutzmittel-Produkten ein Schwerpunkt unserer Produktverantwortung. Dazu bieten wir weltweit gezielte Schulungen und Trainingsmaßnahmen insbesondere für Landwirte und Händler an. Sie sollen den verantwortungsbewussten Umgang mit unseren Produkten und damit die Sicherheit sowohl für Anwender als auch Umwelt und Konsumenten fördern. Die Schulungen werden in allen Ländern durchgeführt, in denen unsere Produkte verkauft werden. Dabei liegt die Umsetzung in der Verantwortung unserer Landesorganisationen, die ihre Schulungskonzepte an den Bedürfnissen im jeweiligen Land ausrichten.

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2015 haben wir unsere Schulungsaktivitäten in den Regionen Asien und Lateinamerika weiter fortgeführt. In Indien wurden Landwirte von CropScience in guter landwirtschaftlicher Praxis geschult. Dabei vermitteln wir, wie sie das Wachstum ihrer Früchte steigern, Pflanzenschutzmittel effektiv und sicher einsetzen und dadurch die Qualität des Ernteguts steigern können. Dadurch können neue Vermarktungsmöglichkeiten entstehen, die gerade Kleinbauern helfen, höhere Gewinne mit ihren Produkten zu erzielen.

Unser Agro-Vida-Programm in Lateinamerika umfasst verschiedene Initiativen, mit denen wir das Sicherheitsbewusstsein und die fachliche Expertise der Landwirte seit mehr als 20 Jahren kontinuierlich erhöhen. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Sicherheitsschulung für Landwirte. Im Jahr 2015 wurden z. B. in der Andenregion mehr als 35.100 Landwirte und in der Region Zentralamerika und Karibik (ohne Mexiko) knapp 30.400 Landwirte geschult. Zusammen mit dem internationalen Pflanzenschutzverband CropLife haben wir 2015 auch in zahlreichen Ländern Afrikas Sicherheitsschulungen durchgeführt.

Zu unseren Produktverantwortungsmaßnahmen gehören auch interne Mitarbeiterschulungen. Über sämtliche Prinzipien des verantwortlichen Umgangs mit unseren Produkten, verbunden mit konkreten Handlungsanleitungen sowohl für unsere Mitarbeiter als auch für Produktanwender, informiert auch unsere „Product Stewardship Policy“.

Über Schulungen hinaus erstellen wir sogenannte Leitfäden zur sicheren Anwendung, zu Nutzung und Umfang von Schutzkleidung sowie der korrekten Lagerung und Entsorgung unserer Produkte. Diese Leitfäden stehen unseren Kunden und Partnern online zur Verfügung, z. B. der „Dresscode“ mit Informationen über optimale Schutzkleidung bei der Handhabung unserer Produkte. Weiterhin werden diese auch als Broschüren oder Informationsblätter in den erwähnten Schulungen verteilt. Darüber hinaus bieten wir Landwirten unsere Unterstützung bei der Umsetzung praktischer Maßnahmen zum Anwender- und Umweltschutz an.

Anwender unserer Produkte können sich bei Reklamationen, Rückfragen oder Ereignissen über unterschiedliche Kommunikationskanäle an CropScience wenden. Dazu gehören u. a. der direkte Kontakt zu unseren Vertriebsmitarbeitern, unsere Hotline, die auf allen Produktverpackungen angegeben ist, sowie im Falle von Deutschland das Agrartelefon. Alle eingehenden Produktreklamationen und Ereignisse werden lokal gesammelt und von den jeweiligen CropScience-Experten bearbeitet. Die Meldungen, die Korrekturmaßnahmen erfordern, werden zusätzlich in einer globalen Datenbank erfasst. Eine Bayer-interne Richtlinie regelt die Bearbeitung, Kommunikation sowie gegebenenfalls die Implementierung von Maßnahmen. Dazu finden ebenfalls regelmäßig Mitarbeiterschulungen statt.

Pflanzenschutzmittel in der Umwelt

Zulassung und Anwendung von Pflanzenschutzmitteln unterliegen strengen gesetzlichen Anforderungen. Diese dienen dazu, die Umwelt vor ungewollten Effekten zu schützen, denn eine intakte Umwelt und auch ein fruchtbarer Boden bilden die Existenzgrundlage eines jeden Landwirts. Um mögliche Effekte zu vermeiden und den Austrag von Pflanzenschutzmitteln außerhalb der behandelten Kulturen so gering wie möglich zu halten, ist verantwortliches Handeln in allen Bereichen der Landwirtschaft von größter Bedeutung. Bayer sieht es als Teil seiner Verantwortung, durch umfangreiche Maßnahmen die Umwelt vor Einträgen zu schützen und die Sicherheit seiner Produkte zu optimieren.

Der Schutz von Gewässern vor Einträgen aus der Landwirtschaft sowie der Erhalt einer guten Grundwasserqualität sind Eckpfeiler des nachhaltigen Umgangs mit der Ressource Wasser. In der landwirtschaftlichen Praxis kann nicht völlig ausgeschlossen werden, dass Stoffe in das Grundwasser ausgewaschen oder mit dem Oberflächenabfluss in Fließgewässer und Seen eingetragen werden können. Auch eine unsachgemäße Entsorgung von Restflüssigkeit nach der Reinigung von Pflanzenschutzmittel-Spritzgeräten kann zu Einträgen von Pflanzenschutzmitteln in Oberflächenwasser führen. Die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln unterliegt nationalen Gewässerschutzverordnungen bzw. in Europa auch den Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie. CropScience misst dem Gewässerschutz einen hohen Stellenwert bei und unterstützt die landwirtschaftliche Praxis bei der umweltschonenden Bewirtschaftung ihrer Flächen sowie der Entsorgung von Restflüssigkeit nach Pflanzenschutzmitteleinsätzen.

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Im Rahmen des Gewässerschutzes bieten wir den Kunden das biologische Reinigungssystem Phytobac™. Es dient dazu, punktuelle Einträge von Pflanzenschutzmittelwirkstoffen in Gewässer zu verhindern, die bei der Entsorgung von Restflüssigkeiten durch Befüllung und Reinigung von Spritzgeräten anfallen. In Europa (vornehmlich Frankreich) gibt es bereits ca. 3.500 Phytobac™-Anlagen.

Erosions- und Abschwemmungsprozesse von landwirtschaftlich genutzten Flächen können ebenfalls zu Stoffeinträgen in benachbarte Gewässersysteme führen. Vor diesem Hintergrund entwickeln wir zusammen mit externen Partnern ein digitales Geo-Informationssystem zum Gewässerschutz in der Landwirtschaft. Anhand von hochauflösenden Karten werden standortbedingte Risiken hinsichtlich Abschwemmung und Erosion teilflächenspezifisch dargestellt und um Vorschläge zur Verbesserung durch geeignete Maßnahmen ergänzt. Die Anwendung soll im Rahmen des Gewässerschutzes zur Beratung landwirtschaftlicher Betriebe genutzt werden.

Ein weiterer Schwerpunkt unserer Aktivitäten im Bereich Produktverantwortung liegt im Schutz der Bienen. Als Life-Science-Unternehmen mit einer langen Tradition in den Bereichen Landwirtschaft und Tiergesundheit wissen wir, wie wichtig gesunde Bienen sind. Nicht nur als Blütenbestäuber für eine nachhaltige Nahrungsmittelproduktion und als Erzeuger von Honig, sondern auch aufgrund der bedeutenden Rolle, die sie in vielen Ökosystemen auf der ganzen Welt spielen. Für unsere Geschäftstätigkeit ist die Förderung der Bienengesundheit und einer nachhaltigen Landwirtschaft von zentraler Bedeutung. Der Schutz von Honig- und Wildbienen ist aus unserer Sicht ein gesamtgesellschaftliches Anliegen; ihre Gesundheit zu wahren, liegt in unser aller Verantwortung. Bayer nimmt seine diesbezügliche Rolle sehr ernst und will einen Beitrag dazu leisten.

In unserem „Bee-Care“-Programm koordinieren und bündeln wir alle Aktivitäten von Bayer im Bereich der Bienengesundheit und Bienensicherheit, um die Entwicklung und Umsetzung entsprechender Lösungen weiter voranzubringen. Im Rahmen dieses Programms wenden wir uns proaktiv an eine Vielzahl von Interessengruppen, darunter Industriepartner, Wissenschaftler, Landwirte, Imker, Regierungsstellen, Nichtregierungsorganisationen und Vertreter der Lebensmittel-Wertschöpfungskette, um uns besser mit ihnen zu vernetzen, ihren Fragen und Bedenken nachzugehen und nach Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit im Bereich der Bienengesundheit zu suchen. Zu diesem Zweck gibt es „Bee-Care-Center“ in Deutschland und in den USA. 2015 haben wir außerdem eine Kooperation mit der Fraunhofer Chile Research Foundation zu Bienengesundheits-Themen in Lateinamerika geschlossen. Mittlerweile gibt es ein weltweites „Bee-Care“-Netzwerk.

Das Bayer-Bee-Care-Programm kombiniert unsere fundierten Kenntnisse in den Bereichen Tiergesundheit und Pflanzenschutz, um zum Schutz der Bienengesundheit beizutragen. Ziele sind dabei:

  • weitere Lösungen zur Förderung der Bienengesundheit zu entwickeln, damit Imker Schädlinge und Krankheitserreger besser bekämpfen können,
  • aktiv den bienenschonenden Einsatz unserer innovativen Lösungen (Produkte, Technologien und Dienstleistungen) zu fördern und gegenüber involvierten Interessengruppen die Sicherheit der Bienen in der Landwirtschaft und im Garten zu gewährleisten,
  • das Nahrungsangebot für Bestäuber zu vergrößern und zu verbessern, um dazu beizutragen, Ernährungsdefizite auszugleichen,
  • offen zu sein und aktiv einen ehrlichen Dialog und eine transparente Kommunikation zur Bienengesundheit mit allen beteiligten Interessengruppen zu fördern,
  • Wissen und Fachkenntnisse mit allen Interessengruppen und Institutionen (Imkern, Landwirten, Forschungseinrichtungen, NGOs, politischen Entscheidungsträgern und Registrierbehörden) auszutauschen.

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Die Bienengesundheit wird von mehreren Faktoren beeinflusst, für die Bayer verschiedene Lösungsansätze verfolgt.

Bayer investiert in die Forschung und Entwicklung einer neuen Anwendungsform von Produkten gegen die Varroa-Milbe, die wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge die größte Gefahr für die Honigbiene darstellt. Darüber hinaus engagiert sich Bayer mit dem Anlegen von Blühflächen, die den Bienen eine reichhaltige Nahrungsquelle für Pollen und Nektar bieten. Die Saatgutbehandlung ist eine wichtige Maßnahme, um die empfindlichen Keimlinge von Kulturpflanzen vor Schädlingsbefall zu schützen. Bei der Aussaat von behandeltem Saatgut können allerdings kleine Mengen von für Bienen potenziell schädlichem Insektizidstaub freigesetzt werden. Unser „Zero-Dust“-Projekt und weitere Kooperationsprojekte zur Verringerung von Staubemissionen helfen, die Freisetzung von Stäuben auf ein Minimum zu reduzieren.

Bayer ist fest davon überzeugt, dass Neonikotinoid chemische Klasse von systemisch wirkenden Insektiziden. eine wichtige Insektizidklasse mit vorteilhaften Eigenschaften sind. Sie wirken gegen bedeutende Schädlinge, die vielerorts bereits Resistenzen gegen andere Substanzen entwickelt haben. Aufgrund ihrer geringen Toxizität für den Menschen sind sie besonders sicher für die Anwender. Die Saatgutbehandlung mit Neonikotinoiden ist eine umweltschonende Anwendungstechnik, da sie die Wahrscheinlichkeit, dass Bestäuber und andere Umweltorganismen mit den Pflanzenschutzmitteln in Kontakt kommen, deutlich reduziert. Bayer ist zudem davon überzeugt, dass Neonikotinoide sicher für Bienen sind, wenn sie verantwortungsvoll und sachgerecht eingesetzt werden. Dies wurde im Rahmen von Marktzulassungsprüfungen durch zuständige Behörden außerhalb Europas bestätigt. In Europa sind hingegen seit 2013 Bayer-Produkte, die zwei unserer Neonikotinoide enthalten, für die Anwendung in bienenattraktiven Anbaukulturen verboten. Die Europäische Kommission lässt zurzeit alle neuen verfügbaren Daten und Berichte der letzten zwei Jahre von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) überprüfen. Das Ergebnis wird für Ende 2016 erwartet.

Bayer hat die Einschränkung der Neonikotinoid chemische Klasse von systemisch wirkenden Insektiziden. -Verwendung in der EU vor den Europäischen Gerichtshof gebracht, um die Rechtsgrundlage der Kommissionsentscheidung zu klären. Diese beruht auf einer Bewertung der EFSA, die ihrerseits weder auf einem validierten noch offiziell anerkannten Risikobewertungssystem basiert. Mit Blick auf künftige Investitionsentscheidungen verlangt das Unternehmen vom Gericht in erster Linie Klarheit über den Regelungsrahmen.