9.1 Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz

Arbeitssicherheit und Schutz der Gesundheit unserer Mitarbeiter, Kontraktoren und Lieferanten, die auf unseren Werksgeländen und unter Bayer-Aufsicht arbeiten, betrachten wir als eine unserer Kernaufgaben. Dies beinhaltet die Verhütung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten, die Erkennung von Gefährdungspotenzialen und deren Beurteilung, ein umfassendes Risikomanagement sowie die Gestaltung eines gesunden Arbeitsumfelds.

Bereits seit Jahren sinkt bei Bayer die Quote der Arbeitsunfälle, die zu Arbeitsausfalltagen führen. Auch 2015 trugen intensive Trainings und Bewusstseinsbildung dazu bei, dass die Bayer-Teilkonzerne und -Servicegesellschaften insgesamt sinkende Unfallzahlen berichten konnten.

Konzernziel 2020:

Verringerung der Arbeitsunfallquote um 35 %

Wir erfassen alle Arbeitsunfälle von Mitarbeitern, die Ursache für eine medizinische Behandlung sind und über Erste-Hilfe-Maßnahmen hinausgehen. Diese Zahl umfasst sowohl die Unfälle mit als auch ohne Ausfalltage und wird dargestellt in der „Recordable Incident Rate“ (RIR). Die RIR-Quote sank konzernweit im Jahr 2015 auf 0,42 Unfälle pro 200.000 Arbeitsstunden (Vorjahr: 0,43), dies entspricht weltweit 543 Arbeitsunfällen. Demnach ereignete sich im Bayer-Konzern statistisch nach etwa 476.000 geleisteten Arbeitsstunden jeweils ein berichtspflichtiger Arbeitsunfall.

Rückläufig ist auch die Quote der berichtspflichtigen Arbeitsunfälle mit Arbeitsausfalltagen (LTRIR, „Lost Time Recordable Incident Rate“). Im Jahr 2015 lag sie bei 0,21 (Vorjahr: 0,22).

Bedauerlicherweise mussten wir 2015 zwei tödliche Arbeitsunfälle von Bayer-Mitarbeitern verzeichnen. Ein Mitarbeiter kam bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Ein anderer Mitarbeiter zog sich bei einem Arbeitsunfall im Chempark Leverkusen schwere Verbrennungen zu und verstarb später im Krankenhaus. Die Ermittlungen zur Unfallursache dauern noch an.

Arbeitsunfälle

 

 

2011

 

2012

 

2013

 

2014

 

2015

1

Mitarbeiter beauftragter Drittfirmen, deren Unfall sich auf unseren Werksgeländen und unter Bayer-Aufsicht ereignet hat

Arbeitsunfälle von Bayer-Mitarbeitern mit Ausfalltagen (LTRIR)

 

0,31

 

0,27

 

0,26

 

0,22

 

0,21

Berichtspflichtige Arbeitsunfälle von Bayer-Mitarbeitern (RIR)

 

0,56

 

0,49

 

0,47

 

0,43

 

0,42

Tödliche Arbeitsunfälle (gesamt)

 

3

 

2

 

2

 

4

 

2

Davon Bayer-Mitarbeiter

 

2

 

2

 

1

 

3

 

2

Davon Kontraktoren-Mitarbeiter1

 

1

 

 

1

 

1

 

Die Unfallquoten schwankten sowohl innerhalb einzelner Regionen als auch zwischen den jeweiligen Teilkonzernen und Servicegesellschaften u.a. in Abhängigkeit vom Tätigkeitsspektrum der Mitarbeiter.

Online-Ergänzung: 3-9.1-1:

eingeschränkt geprüft
Berichtspflichtige Arbeitsunfälle (RIR1) nach Regionen

 

 

2012

 

2013

 

2014

 

2015

1

RIR = Recordable Incident Rate

Europa

 

0,56

 

0,72

 

0,62

 

0,60

Nordamerika

 

0,53

 

0,49

 

0,64

 

0,58

Asien / Pazifik

 

0,21

 

0,20

 

0,14

 

0,12

Lateinamerika / Nahost / Afrika

 

0,54

 

0,40

 

0,33

 

0,41

Gesamt

 

0,49

 

0,47

 

0,43

 

0,42

Arbeitsbedingte Erkrankungen werden von uns in den Ländern, in denen dies rechtlich zulässig ist, erfasst und gehen ebenfalls in den Parameter LTRIR ein, unabhängig davon, ob es sich dabei um gelistete Berufskrankheiten in internationalen Registern handelt.

Wie in den Vorjahren verzeichneten wir auch 2015 kaum branchentypische Unfälle mit Chemikalienkontakt. Die absolute Zahl der Unfälle mit Ausfallzeiten ging weiter zurück. Ein erheblicher Teil unserer arbeitsbedingten Unfälle und Verletzungen hat verhaltensbedingte Ursachen. Um dieses Thema verstärkt in den Fokus zu rücken, wurde vom Bayer Safety Council unter Vorsitz des Vorstandsvorsitzenden die Initiative „Behavioral Safety“ ins Leben gerufen und das Programm im Jahr 2015 innerhalb der Teilkonzerne ausgerollt. Das Thema stand 2015 außerdem bei unserem jährlichen globalen Safety Day im Vordergrund.

Online-Ergänzung: 3-9.1-2:

eingeschränkt geprüft

Im Mittelpunkt der Initiative Behavioral Safety steht das sicherheitsbewusste Verhalten unserer Mitarbeiter. Unter Behavioral Safety versteht man verhaltensbezogene Sicherheitsansätze: unsichere Arbeitsweisen sollen erkannt und vermieden werden, sichere Arbeitsweisen dementsprechend gestärkt und verfestigt werden – und zwar auf allen Ebenen. Dieser Ansatz geht weit über die Nutzung in der Produktion hinaus und erfasst auch Arbeitsfelder wie Forschung & Entwicklung, Marketing & Sales sowie die Verwaltung. Mit der Initiative wird ein umfassendes Behavioral-Safety-Programm in den Teilkonzernen eingeführt. Im Berichtsjahr wurde dazu in einem ersten Schritt die vorhandene Sicherheitskultur an allen CropScience-Produktionsstandorten bewertet, bei HealthCare lag der Fokus auf den Standorten mit dem größten Einfluss auf die Sicherheitsleistung. Bei Covestro wurde ein Pilotprojekt am Standort Antwerpen, Belgien, durchgeführt. Im nächsten Schritt haben alle Teilkonzerne an einigen dieser Standorte sowohl Basis-Trainings für Mitarbeiter als auch Führungskräfte-Trainings zu Behavioral Safety durchgeführt. Das erfolgreich eingeführte Programm wird im nächsten Jahr intensiviert.

Mit der gezielten Gestaltung des Arbeitsumfelds wollen wir die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter erhalten und fördern. Im Rahmen unseres Betrieblichen Gesundheitsmanagements bieten wir zahlreiche Maßnahmen zur Prävention an, die von ergonomischen Arbeitsplätzen über Stressmanagement bis hin zu Anreizsystemen für gesundheitsförderndes Verhalten reichen. Auch die Unterstützung bei der Behandlung von Krankheiten oder Wiedereingliederungsmaßnahmen gehört dazu.

Da Bayer in Ländern mit großen Unterschieden in der medizinischen Infrastruktur und den gesetzlichen Rahmenbedingungen tätig ist, sind die Anforderungen und Möglichkeiten auf dem Gebiet der Gesundheitsförderung unterschiedlich. Bayer strebt an, Mitarbeitern den Zugang zu adäquaten, bezahlbaren und zielgerichteten Gesundheitsdiensten wie regelmäßigen medizinischen Check-ups, Sportprogrammen, Hilfestellung nach Überwindung einer Krankheit oder Versorgung vor Ort im Unternehmen zu ermöglichen.

Unsere Arbeitnehmervertreter sind in das Betriebliche Gesundheitsmanagement eingebunden und arbeiten aktiv an seiner Weiterentwicklung mit.

Online-Ergänzung: 3-9.1-3:

eingeschränkt geprüft

Beim „Bayer Europa Forum“, einem gemeinsamen Gremium von Vertretern der Unternehmensleitung und der Arbeitnehmer, haben beide Parteien die „Luxemburger Deklaration zur Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) in der EU“ unterzeichnet. Laut Deklaration umfasst die BGF alle gemeinsamen Maßnahmen von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Gesellschaft zur Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz. Ziel des Netzwerkes ist es, auf der Basis eines kontinuierlichen Erfahrungsaustausches, nachahmenswerte Praxisbeispiele zu identifizieren und zu verbreiten. Bislang haben rund 200 Unternehmen in Europa die Deklaration unterzeichnet.

Zu den konzernübergreifenden Initiativen, mit denen die Gesundheit der Beschäftigten gefördert und in Hinblick auf eine verlängerte Lebensarbeitszeit langfristig erhalten werden soll, gehört beispielsweise in Deutschland die Gesamtbetriebsvereinbarung „Lebensarbeitszeit und Demografie“ und „Gestaltung des Demografischen Wandels im Tarifbereich bei Bayer“. Die innovativen Vereinbarungen enthalten eine Belastungsreduzierung ab dem 55. Lebensjahr für Schichtmitarbeiter mit regelmäßiger Nachtarbeit bzw. 57. Lebensjahr für alle anderen in Deutschland beschäftigten Tarifmitarbeiter, einen erleichterten Wiedereinstieg für langfristig erkrankte Tarifbeschäftigte und eine umfangreiche Vorsorgeuntersuchung für alle Beschäftigten. Am Programm „Belastungsreduzierung im Alter“ nahmen im Berichtsjahr mehr als 97 % der Anspruchsberechtigten teil.